Der Uelzener Bahnhof: Kunst am Bau im Stil von Hundertwasser
Dank dem Lüneburger Projekt „Menschen im Viertel“ lernte ich bei meinem Streifzug durch das Wasserviertel (siehe großes Foto oben) auch das Brautpaar Jaworski kennen.
Kneipenservice für Ehefrauen, ebenfalls entdeckt in Lüneburg
Uelzen. Kennt ihr die Stadt? Ich kannte sie nicht. Aber ich wollte schon immer mal zur Ilmenau. Also auf von der Weser, wo ich meine Reise begann, in die Geburtsstadt der Ilmenau. Und die heißt — genau, Uelzen! Doch diese alte Hansestadt am Rande der Lüneburger Heide hat mehr als eine malerische Fluss-Landschaft zu bieten. Zum Beispiel sehenswerte Fachwerkhäuser, Bauwerke der norddeutschen Backsteingotik — und eine gute Idee.
Ein Herz für Autofahrer
Gleich in den ersten Minuten meines Aufenthaltes machte ich Bekanntschaft mit einer männlichen Politesse. Er war ausgesprochen freundlich und weihte mich in das Geheimnis der Brötchentaste am Ticketautomaten ein: In Uelzen kann tatsächlich jeder Autofahrer 15 Minuten lang kostenlos parken, um mal schnell was einzukaufen, wie die frischen Brötchen morgens beim Bäcker! Ich profitierte sofort von diesem Service. So konnte ich stressfrei ins Hotel einchecken und mich dann in aller Ruhe um einen Parkplatz kümmern.
Was zog Hundertwasser nach Uelzen?
Am nächsten Morgen besuchte ich nach einem Abstecher zum pittoresken Stadtteich den Uelzener Bahnhof. Dieser wilhelminische Bau wurde interessant, nachdem er im Rahmen der Expo 2000 nach den Plänen von Friedensreich Hundertwasser mit bunten Türmchen und Säulen verziert worden war. Während ich mir die Kunst am Bau ansah, überlegte ich, warum der Wiener ausgerechnet das unbedeutende Uelzen mit seiner Kunst adelte. Schon am Abend offenbarte sich mir des Rätsels Lösung, nachdem sich drei Einheimische zu mir an den Tisch gesetzt hatten: die Chefin des Restaurants, ein Kunstmaler und eine interessante ältere Dame. Sie erzählte, dass sie Hundertwasser damals in Uelzen begegnet war, weil sie einen seiner Freunde gut kannte: den Uelzener Aktionskünstler Reinhard Schamuhn…
Abstecher nach Bad Bevensen
Es war eine muntere Runde an diesem Abend im alteingesessenen Bürgerhotel, und ich bekam ein paar Tipps für meine Weiterreise. So führte mich meine Tour entlang der Ilmenau den nächsten Tag in die Therme und den Kurpark von Bad Bevensen. Der Ort ist nicht nur wegen des Solbades einen Abstecher wert, sondern auch wegen des malerisch an der Ilmenau gelegenen Cafés „Schöne Zeiten". Dort kann man Kanufahrer den ruhigen Fluss entlang gleiten sehen. Und ist von dort aus sofort im Kurpark.
Was ist ein Gradierwerk?
Apropos Therme und Solbad. Wisst ihr was ein Gradierwerk ist? Ich habe eines an der Therme in Bad Karlshafen kennengelernt. Es wird zur Salzgewinnung benötigt, sieht unspektakulär aus, tut aber trotzdem den Lungen gut. Da ich technisch unbegabt bin, hier die Erklärung aus Wikipedia: „Wegen des in ihrer Nähe angenehmen Salzklimas werden Gradierwerke in Badeorten zu Kur-Zwecken als eine Art Freiluftinhalatorium etwa in Kurparks umgenutzt, ohne jedoch mit einer Salzproduktion in Verbindung zu stehen." Tja, reisen bildet, zumindest mich!
Bad Karlshafen besticht besonders durch seinen von weißen Gebäuden umgeben Hafen und die malerische Weserlandschaft mit einer Reihe von Restaurants, einer Minigolfanlage, Dampferanlegestelle und direkt am Fluss gelegenen Standort für Camper-Fahrer.
Nachahmenswertes Projekt
Zurück zur Reiseroute Richtung Norden. In Lüneburg mit seinem bildschönen Wasserviertel am Stintmarkt, ebenfalls von der Ilmenau geprägt, entdeckte ich das Projekt „Menschen im Viertel". Es entstand im Rahmen des Sanierungsvorhabens Wasserviertel. An Türen, in Fenstern und an Hauswänden sind alte Schwarz-Weiß-Fotografien zu sehen, beispielsweise von dem Brautpaar Lilli und Wilhelm Jaworski, die 1936 in der Johanniskirche heirateten. Eine schöne Initiative, die auch anderen Städten gut anstehen würde…
„Aale alle"
Apropos Menschen: Ich mag die Mentalität der Norddeutschen und vor allem ihren schlichten, trockenen Humor. Mit dem wurde ich schon als Kind in St. Peter Ording konfrontiert. Dort stand ich mal zusammen mit meinen Eltern vor einem Fisch-Verkaufs-Wagen ziemlich lange Schlange. Es bewegte sich einfach nichts. Die potentiellen Käufer, anscheinend alle Touris, merkten erst, dass der Verkäufer längst Feierabend gemacht hatte, als sie endlich kapierten, was das handgeschriebene Schild bedeutete: „Aale alle".
Betreutes Trinken
Jetzt in Lüneburg musste ich über den Spruch an einer Kneipe lachen: „Betreutes Trinken: Sie gehen entspannt bummeln. Wir kümmern uns um ihren Mann." Mein Favorit in punkto kesse Sprüche ziert aber eine Imbissbude am Timmendorfer Strand, wo ich Coupons, ein Geschenk vom Strandkorb-Vermieter, einlösen wollte. Leider war die Bude zu und das Schild nicht besonders aussagekräftig: „Geöffnet ist wenn offen ist!"
Link zum ersten Reiseblog an der Weser..
Free AI Website Creator